Ich rendere lieber meine Urlaubsstitches, amysiere mich nach Kräften und lese in der neuentdeckten Pynchon-Mailinglist (Chris pflegte mich ein paar Jahre lang nur mit "Hey Slothrop!" anzusprechen...). Obwohl, der hätte bestimmt kein Spiel ausgelassen. (Wieso stand da eben "kein Bier ausgelassen"? ;-))
Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen
fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach
rund 15000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf
das betreffende Buch, wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit
an. Das Kind schlingt seinen dicklichen MAY=Band in 2 Tagen hinunter (und
die schönsten Stellen werden sogar mehrmals genossen); der Mann,
tagsüber im Büro, oder hinter Pflug Schraubstock, druckst, selbst bei
bestem Willen, 3 Wochen lang über’m ‹WITIKO›, den ihm ein
sinniger Kollege empfahl.
Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues
Buch -- dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe
des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst wenn man nur 3
Tage für eines benötigte, wären’s immer erst arme 5000. Da sollte
es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen
10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt,
sorgfältig auswählen heißen.
Ich möchte es noch heilsam=schroffer
formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur
Durchschnittliches zu lesen: Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal
sämtliche Bände der Hochliteratur!
(Schmidt, Arno: Julianische Tage. Bargfelder Ausgabe III/4, S. 91 f.)





